Archiv des Autors: Frank Will

Himmelsleiter, Naturschutzgroßprojekt – Brückner & Brückner Architekten, Würzburg

copyright by Brückner & Brückner

Die Tirschenreuther Teichpfanne in der Oberpfalz, nahe der deutschtschechischen Grenze, ist eine der größten und ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Als Heimat gefährdeter Tier- und Pflanzenarten bildet dieser vermutlich bereits im 10. Jahrhundert angelegte Teichkomplex das Kerngebiet des Naturschutzgroßprojekts Waldnaabaue. Zur Beruhigung des Besucherverkehrs in sensiblen Bereichen der Waldnaabaue wurde die alte Bahntrasse der Vizinalbahn zwischen Wiesau und Tirschenreuth in einen Rad- und Wanderweg umgewandelt.

Nachdem das in Tirschenreuth und Würzburg ansässige Architekturbüro Brückner & Brückner 2010 bereits mit der Heusterzbrücke eine Anbindung an den Einstiegspunkt Hohenwald fertiggestellt hatte, folgte zwei Jahre später ein weiteres Bauwerk für die Besucher dieses besonderen Naturareals: die sogenannte „Himmelsleiter“. Für dieses Projekt wurden sie mit
dem „best architects 15 Award“ und für die Himmelsleiter und Heusterzbrücke mit dem BDA Regionalpreis Niederbayern-Oberpfalz ausgezeichnet.

copyright by Brückner & Brückner

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Die etwa 450 m von der Heusterzbrücke entfernte Himmelsleiter gleicht selbst ein wenig einer Brückenkonstruktion, auch wenn ihre eigentliche Funktion nicht im Überbrücken besteht. Vielmehr soll es hier, ganz dem Namen entsprechend, hoch hinausgehen, auf eine Sichthöhe von etwa 20 Metern, von wo aus man die seltene Teichlandschaft und deren Umgebung überblicken und bewundern kann. Zu diesem Zweck führen zwei lange, im Grundriss punktsymmetrische Treppenanlagen entlang des Rad- und Wanderweges hinauf auf eine stegartige, überdachte Aussichtsplattform. Diese bietet mit einem wunderbaren Panoramablick auf das Naturschutzgebiet auch einen didaktischen Einstieg in dessen kulturhistorische Entwicklung. Neben der Aussichtsfunktion ergibt sich für die Himmelsleiter passierende Fußgänger und Radfahrer gleichsam eine Torsituation, die das Betreten und Verlassen dieser
Landschaft noch einmal thematisiert. Die Himmelsleiter verfügt über eine tragende Konstruktion aus schlanken verzinkten Stahlprofilen, welche trotz der Größe des Bauwerks maximale Transparenz zur Umgebung gewährleisten. Die nichttragende Verkleidung der
Treppenanlage und der Aussichtsplattform ist in heimischen Hölzern gehalten, was vor allem aus der Ferne einen archaischen Eindruck vermittelt, der gut zur Biotoplandschaft passt. Insgesamt stellt das materielle Zweigespann aus Stahl und Holz eine nachhaltige und zeitgemäße Lösung für den Aussichtsturm dar und ist zugleich eine Reminiszenz an die früheren Bahnschienen. Mit den statischen Berechnungen der Himmelsleiter wurde das Ingenieurbüro Bodensteiner & Partner aus Weiden in der Oberpfalz beauftragt. Da sowohl das Ingenieurbüro als auch die Architekten von Brückner & Brückner Allplan verwenden, konnten beide Firmen ihre Arbeit perfekt aufeinander abstimmen. So ließ sich etwa der Datenaustausch untereinander ohne die sonst häufig auftretenden, zeitraubenden Ungenauigkeiten und Verluste innerhalb der Planung bewerkstelligen. Zudem profitierte man von der  Bewehrungsplanung in 3D. Eine normalerweise knifflige Aufgabe stellten die verschiedenen Stützenquerschnitte und Stützachsen dar. Da sich diese permanent über die gesamte Länge des Bauwerks hinweg verschoben, waren unterschiedliche Köchergrößen und -lagen die Folge. Hier machte sich eine automatische Kollisionsund Massenkontrolle, die über den  Planungsfortschritt hinweg fortgeschrieben wurde, besonders bezahlt.

Wir schaffen Lebensräume. Wir respektieren Menschen und Ort. Wir bauen Erinnerung.“ Das sind die Leitsätze des architektonischen Denkens und Handelns von Brückner & Brückner Architekten. Über den Wettbewerb des Kulturspeichers in Würzburg fanden Christian und Peter Brückner architektonisch erstmalig zusammen. Planen und Bauen ist für sie ein umfassender Kommunikationsprozess. Der Ursprung ist der Dialog der beiden Brüder. Die Qualität der Auseinandersetzung mit Menschen und Dingen macht diesen Vorgang zu „Kultur“. Dafür gibt es kein Rezept. Jede Bauaufgabe erfordert und entwickelt neue Kommunikationsnetze und Medien. Immer wieder müssen Grenzen überschritten werden. „Wir suchen die direkte Auseinandersetzung mit dem Ort und den Menschen und setzen auf kontinuierlichen Dialog. Planen ist für uns ein Versprechen, das eingelöst werden will. Planerische Idee und gebaute Realität gehören untrennbar zusammen“, so Christian und Peter Brückner. Bereits der Vater gründete 1972 ein Ingenieurbüro, das die Brüder als Architekturbüro erfolgreich weiterführen. Klaus-Peter Brückner arbeitete bereits in den 1970er Jahren erfolgreich mit Produkten aus dem Hause Nemetschek.

„Da sowohl das Ingenieurbüro Bodensteiner als Tragwerksplaner als auch wir als Architekten Allplan verwenden, konnten wir unsere Arbeit bei diesem Projekt perfekt aufeinander abstimmen.“
Axel Weidner, Architekt und Projektleiter bei Brückner & Brückner Architekten

Nach den Ranglisten des Architekturportals BauNetz zählen Brückner & Brückner Architekten zu den 100 Spitzenbüros in Deutschland. In ihren Büros in Tirschenreuth und Würzburg beschäftigen die Gebrüder Brückner heute in etwa 50 Mitarbeiter.
PROJEKTINFORMATIONEN IM ÜBERBLICK
Gebäudeart: Aussichtsplattform
Eingesetzte Software: Allplan Architecture
Projektdaten
Bauherr: Landkreis Tirschenreuth, vertreten durch Landrat Wolfgang Lippert
Standort: Tirschenreuther Teichpfanne, 95643 Tirschenreuth 000
Baubeginn: Mai 2012
Fertigstellung: Oktober 2012 0
Gesamtlänge der Anlage: ca. 70 m
Breite der Treppenkonstruktion: ca. 2,5 m
Höhe der Treppenanlage: ca. 0,0 bis 17 m
Breite der Aussichtsplattform: ca. 2,8 m
Länge der Aussichtsplattform: ca. 10 m
Höhe der Standfläche: ca. 17 m (492,5 m ü. NN)
Höhe Dachdeckung: ca. 20,2 m

© 04.2016 Allplan GmbH, Munich, Germany; © Bilder in der Landschaft / Himmelsleiter, Naturschutzgroßprojekt Waldnaabaue;
Planer: Brückner & Brückner Architekten Tirschenreuth/Würzburg; Fotograf: Peter Manev, Selb, foto[mju]tektur

Save-Brücke, Belgrad/Serbien – LAP Leonhardt, Andrä und Partner

Funktion und Design XXL – Save-Brücke, Belgrad/Serbien

Save_Bruecke_Belgrad

Save_Bruecke_Belgrad copyright LAP Leonhardt, Andrä und Partner

Die Save bei Belgrad stellt für die Bevölkerung ein tägliches Verkehrshindernis dar. Mit dem Bau einer neuen Schrägseilbrücke über den Fluss soll sich das bald ändern. Die ausführenden Ingenieure für die Detailplanung – Leonhardt, Andrä und Partner setzen bei dem Prestigeobjekt auf Allplan Ingenieurbau. Belgrad liegt am Zusammenfluss von Donau und Save. Seit Jahren wird die nördliche Ausdehnung der Stadt durch die beschränkte Kapazität der drei bestehenden Save-Brücken – Brankov most, Savski most und Gazela – behindert. Um die Kapazität des Verkehrsnetzes zu erweitern, wird aktuell eine vierte Brücke über die Save errichtet, die den Bezirk Neu-Belgrad an der nördlichen Uferseite mit dem Stadtzentrum am Südufer verbinden soll. Gemeinsam mit den Anbindungsstraßen bildet das Projekt einen Teil des ersten Bauabschnitts des Inneren Magistralen Halbrings, der von Neu-Belgrad nach
Pancevo führt.

WAHRZEICHEN FÜR EINE AUFSTREBENDE STADT
Doch Belgrad gewinnt weit mehr als eine zusätzliche Verkehrsader. Mit einer Gesamtlänge von 964 Metern, einer Bauhöhe von 4,75 Metern, 45 Metern Breite und knapp 43.380 Quadratmetern Fläche wird die neue Brücke diegrößte Überführung der Balkanregion darstellen. Ihr 200 Meter hoher Pylon, der auf der Nordspitze der Save-Insel Ada Ciganlija als Hauptstütze fungiert, wird als weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt auf sich aufmerksam
machen. Als ausführende Ingenieure für die Detailplanung der Brücke ab Oberkante Fundament konnten Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI, GmbH (LAP-Consult) verpflichtet werden. Das auf Tragwerks- und Objektplanung für Ingenieurbauwerke spezialisierte Büro aus Stuttgart arbeitet mit Allplan Ingenieurbau und wurde bereits für zahlreiche Brückenprojekte ausgezeichnet. So zum Beispiel für die Fußgängerbrücke Kehl-Straßburg, ebenfalls eine Schrägseilkonstruktion. Das Projekt ist komplex – nicht nur aufgrund seiner Ausmaße: Um während der Bauzeit einen ungestörten Schiffsverkehr zu gewährleisten, muss das die Save überspannende Hauptfeld ohne temporäre Stützen im Fluss errichtet werden. Zudem wird an verschiedenen Abschnitten gleichzeitig gebaut. Beispielsweise wird das Seitenfeld parallel zur Hauptbrücke, aber unabhängig
von ihr errichtet.

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Save_Bruecke_Belgrad copyright LAP Leonhardt, Andrä und Partner

Auch zeitlich sind die Teams aus Serbien, Deutschland, Österreich, Ungarn, Slowenien der Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Dänemark und China gefordert: Nach nur dreijähriger Bauzeit soll die neue Brücke den Belgradern übergeben werden.
BEWÄHRTE UNTERSTÜTZUNG DURCH ALLPLAN INGENIEURBAU
Die Hauptlast einer Brücke dieser Größenordnung auf nur einen Pylon zu verteilen ist auch für erfahrene Bauingenieure eine Herausforderung. Umso mehr, wenn dieser Pylon versetzt zum Brückenzentrum platziert ist, es sich also um eine asymmetrische oder auch „einhüftige“ Konstruktion handelt. Um die Überbrückung der Save ohne Hilfspfeiler zu bewerkstelligen und gleichzeitig Gewicht und damit Kosten zu sparen, wählten die Ingenieure für das 376 Meter lange Hauptfeld eine im Freivorbau erstellte Stahlhohlkasten-Konstruktion.

„Aber selbst bei einfachen Bewehrungsplanungen lohnt sich das Arbeiten in 3D spätestens bei der nächsten Änderung, wenn eine Anpassung im 3D-Modell nicht mehr in sämtlichen Schnitten händisch nachgeführt werden muss. Allplan Ingenieurbau bietet hier gegenüber 2D-Lösungen einen deutlichen Vorteil.“
Steffen Kühn, Konstrukteur bei Leonhardt, Andrä und Partner

Save_Bruecke_Belgrad2

Save_Bruecke_Belgrad copyright LAP Leonhardt, Andrä und Partner

Den Gewichtsausgleich über das 250 Meter lange Rückhaltefeld schafften die Planer dagegen mit einer Spannbetonkonstruktion, die im so genannten Taktschiebeverfahren erstellt wird. Dabei werden einzelne Brückenabschnitte, die so genannten „Takte“, in einer ortsfesten Schalung hergestellt. Ist ein Abschnitt fertig, wird er zusammen mit den zuvor produzierten Abschnitten über den Pfeilern verschoben und der nächste Takt in derselben Schalung gegossen. Auch das 358 Meter lange Seitenfeld wird im Taktschiebeverfahren errichtet. Von Achse 1 aus wird es nach und nach in Richtung Brückenmitte geschoben.

Wie schon in früheren Projekten profitierten LAP-Consultants besonders von dem in Allplan Ingenieurbau integrierten Bewehrungsmodul. Die für eine interaktive Schal- und Bewehrungsplanung konzipierte Lösung, punktet besonders bei Bauvorhaben mit komplexen Geometrien und Bewehrungsführungen – für das Projekt Savebrücke also perfekt geeignet.
2D- UND 3D-PLANUNG KOMBINIERT
Je nach Anforderung kombinierten die Ingenieure 2D- und 3D-Planung – ein klassisches Beispiel für hybrides Arbeiten. „Für die typischen Standardaufgaben bei der Ausführungsplanung von Brücken ist die 2D-Planung völlig ausreichend. Komplizierte Detailpunkte werden heute jedoch vermehrt in 3D geplant“, beschreibt Steffen Kühn, Konstrukteur bei Leonhardt, Andrä und Partner. So wurden beispielsweise Schalung und Spanngliedplanung in 2D ausgeführt, während für die Bewehrung die im ersten Schritt zwar etwas aufwändigere, dafür aber effizientere 3D-Planung Anwendung fand. Wo immer Schnitte und Ansichten benötigt wurden, konnten sie an beliebigen Stellen direkt aus dem 3D-Bewehrungsmodell abgeleitet werden – ein großer Vorteil im Hinblick auf genaues, realitätsnahes Planen und die schnelle Umsetzung von Änderungen.

Weitere wichtige Einsatzbereiche für 3D waren die Bewehrungsplanung des sehr komplizierten Verschneidungsbereiches zwischen Überbau und Pylon sowie die Planung der Verankerungen der 80 Stahlseile, welche die Brückendecks von Haupt- und Rückhaltefeld mit dem Pylon verbinden. Dank dreidimensionaler Planung konnten die Verläufe der Seile und ihre Verankerungen exakt erfasst und dargestellt werden. Die große Stärke der Bewehrungsplanung in 3D liegt insbesondere in der Möglichkeit von Variantenuntersuchungen: „Bei komplizierten geometrischen Verhältnissen in Verbindung mit hohen Bewehrungsgehalten ergeben sich oft komplexe Bewehrungsführungen, die bei einer 3D-Planung in Verbindung mit dem 3D-Animator wesentlich schneller erzeugt und optimiert werden können.

Aber selbst bei einfachen Bewehrungsplanungen lohnt sich das Arbeiten in 3D spätestens bei der nächsten Änderung, wenn eine Anpassung im 3D-Modell nicht mehr in sämtlichen Schnitten händisch nachgeführt werden muss. Allplan Ingenieurbau bietet hier gegenüber 2D-Lösungen einen deutlichen Vorteil“, erklärt Steffen Kühn.

REIBUNGSLOSER DATENAUSTAUSCH
Allplan Ingenieurbau leistet auch in der Zusammenarbeit mit dem Partner CHP aus Freiburg, der unter der Federführung von LAP-Consultant Planungsspitzen abdeckt, gute Dienste. „Da CHP ebenfalls mit Allplan Bewehrungsplanung in 3D erstellt, erfolgt der Austausch der Daten völlig verlustfrei. Aber auch der Transfer in andere Datenformate ist weitestgehend problemlos möglich“, bestätigt Steffen Kühn. Bis im Oktober 2012 die ersten Autos, Stadtbahnen, Fahrräder und Fußgänger die neue Verkehrsverbindung nutzen, gibt es noch viel zu tun. Ein Gutteil davon wird seine planerische Grundlage in Allplan Ingenieurbau haben. Damit das Prestigeobjekt die Menschen für die nächsten 100 Jahre verbindet – mindestens.
© 12.2010 Allplan GmbH, Munich, Germany; © Bilder: Save-Brücke, Belgrad/Serbien, LAP Beratende Ingenieure VBI GmbH, Stuttgart/Deutschland

Unter Dach und Fach Elefantenhaus Zoo Walt + Galmarini Zürich, Schweiz

Mehr Freiraum für Elefanten, mehr Nähe für die Besucher: Der neue Kaeng Krachan Elefantenpark im Zoo Zürich ist ein Paradebeispiel für den internationalen Wandel der Zoo-Philosophie. Das neue Zuhause von acht Elefanten erstreckt sich über eine Fläche von über 11. 000 m². Das entspricht etwa dem Sechsfachen der alten Anlage und bietet den Tieren mehr Raum, mehr Familienleben und mehr Bewegung.

copyright by Walt + Galmarini

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Auch mit der Konstruktion des Elefantenhauses geht der Zoo Zürich neue Wege: Eine 6.800 m² große freigeformte Dachschale aus Holz überspannt die Innenlandschaft. Das Dachtragwerk mit seinem blätterartigen Öffnungsbild integriert sich optimal in die umgebende Waldlandschaft und soll so bei den Besuchern eine Natur-Assoziation erzeugen. Gehalten wird es von einem Dachfundament aus Stahlbeton. Ein gewagtes Experiment, denn die Dachkonstruktion mit Spannweiten von über 85 Metern ist so noch nie vorher gebaut worden. Digitale Gebäudemodelle ermöglichen es, solch ungewöhnliche Konstruktionen mit maximaler Präzision und Genauigkeit durchzuführen. Deshalb ist das Öffnungsbild sowie die Tragstruktur des Elefantenhauses in die Händes des Schweizer Ingenieurbüros Walt + Galmarini gelegt worden. Hochbeanspruchte, weitgespannte Tragwerke gehören zum Spezialgebiet
der Ingenieure. Um anspruchsvolle Planungsergebnisse mit einem Höchstmaß an Qualität zu realisieren, vertraut Walt + Galmarini seit Jahren auf die BIM-Lösung Allplan Ingenieurbau. Aus den einmal in das digitale Gebäudemodell eingepfl egten Planungsdaten leiten die Ingenieure alle relevanten Schnitte, Ansichten und Perspektiven ab. Die Entwurfskontrolle in 3D hat sich auch bei den Planungen zum Elefantenhaus als äußerst praktisch erwiesen: Dank ihr konnten die Schweizer nicht nur mögliche Kollisionen von Bauteilen oder andere Planungsfehler sofort erkennen, sie ermöglichte es auch, komplexe Geometrien ganz leicht zu veranschaulichen. So komplex wie die Geometrie des Elefantenhauses, waren auch die Ansprüche an die Tragwerksplanung und -ausführung. Das Dach des Hauses setzt sich aus vielen netzartig überlagerten Strahlen zusammen und kommt dabei gänzlich ohne Holzstützen oder sonstige abstützende Elemente im Inneren aus. Damit die Konstruktion als Holzschale überhaupt möglich war, musste zuerst ein Gerüst über die komplette Innenlandschaft erstellt werden.

copyright by Walt Galmarini

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Mit diesem Gerüst wurden Spanten zu einer Negativschale der zukünftigen Dachform millimetergenau eingemessen. Über diese Spanten wurden dann Dreischichtplatten – in
drei Lagen und jeweils 60 Grad zueinander versetzt – zur Dachform zusammengefügt. Jede der insgesamt 600 Platten hat einen individuellen Zuschnitt, ist 3 bis 4 Meter breit und zwischen 10 und 20 Meter lang. Sie biegt sich schon allein durch ihr Gewicht. Daher wurde die erste Lage aus Stabilitätsgründen vollflächig eingebracht. Bei der zweiten und dritten Lage waren die Lichtöffnungen bereits ausgeschnitten. Im Endausbau ist das Dach rund 1.000 Tonnen schwer. Die Lasten werden in den Tiefpunkten des Daches abgetragen und der Kräfteverlauf verdichtet sich zu den Rändern hin. Dort wirkt ein Betonring als Zugband. Dank der ausgewiesenen Fachkenntnis der Ingenieure und Allplan Ingenieurbau als leistungsfähigem Werkzeug konnten alle geometrischen Herausforderungen an das Tragwerk des Elefantenhauses mit Bravour gemeistert werden. Das gewagte Experiment ist gelungen, die Elefanten im Zoo Zürich sind wie geplant eingezogen.

»»Dank Allplan Ingenieurbau sind wir in der Lage anspruchsvolle Projekte in enorm kurzer Zeit
fehlerfrei zu planen und auszuführen. «
Lukas Schmid, Walt + Galmarini

Walt + Galmarini wurde im Jahre 1956 gegründet und wird heute als Aktiengesellschaft geführt. Das Ingenieurbüro beschäftigt rund 35 Mitarbeiter und befasst sich schwerpunktmäßig mit der integralen Planung von Tragwerken aus Stahl, Holz, Stahl- und Spannbeton, Spezialfundationen und Baugruben sowie der Umnutzung und Erneuerung bestehender Tragwerke im Hoch- und Brückenbau.

Schwerpunkt:Tragwerksplanung vom Entwurf bis zur Ausführung
Eingesetzte Software: Allplan Ingenieurbau
Projektdaten:
Bauherr: Zoo Zürich
Planungsbeginn: 2009
Baubeginn: 2012
Fertigstellung: 2014
Dachfläche (inkl. Dachrand): 6.800 m²
Gebäudefläche: 5.400 m²
Gebäudevolumen: 56.000 m³

© 08.2014 Nemetschek Allplan Systems GmbH, Munich, Germany; © Fotos: Nemetschek Allplan, Walt + Galmarini

Deutscher Pavillon EXPO 2010, China – Schmidhuber und Partner, München

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Balanceakt für Shanghai
Deutscher Pavillon auf der EXPO 2010, China

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„balancity“ heißt der deutsche Beitrag zur EXPO 2010 in Shanghai. Die Grundidee einer modernen deutschen Stadt und dem Balanceakt, den sie zu bewältigen hat, spiegelt sich auch in der Architektur des Pavillons wider: Eine begehbare dreidimensionale Skulptur, die die Vielfalt des Lebens in deutschen Städten darstellt. Dieses Projekt hat Schmidhuber + Partner aus München mit Allplan gemeistert.

Eine anspruchsvolle Aufgabe hatte Schmidhuber + Partner GbR mit dem deutschen Pavillon auf der EXPO 2010 in Shanghai zu bewältigen. Das Schöne daran: „Verglichen mit anderen Projekten hatten wir beim EXPO-Pavillon eine sehr große gestalterische Freiheit. Wir konnten experimentieren und haben etwas geschaffen, was im Charakter mehr einer begehbaren Skulptur ähnelt als einem Gebäude“, so Lennart Wiechell, Projektleiter und einer der Geschäftsführer von Schmidhuber + Partner. Der Besucher kann den Pavillon erkunden und sehen, was sich dahinter verbirgt. Spannend war es für Lennart Wiechell zudem, in China zu arbeiten. Im Sinne der Annäherung an das Gastgeberland wurden zwei Aspekte berücksichtigt, die den Vorlieben der Chinesen sehr entgegenkommen. Nämlich die in China so beliebten Gärten und das Thema Verschattung, das gerade im klimatisch sehr heißen Shanghai eine große Rolle spielt.

Das Münchner Unternehmen Schmidhuber + Partner hat sich auf den Bereich Markenarchitektur und temporäre Gebäude, Büro- und Innenausbauten, Messedesign und Eventveranstaltungen spezialisiert. Den Auftrag für die Architektur und Generalplanung des Deutschen Pavillons, dessen Bauherr das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ist, erhielt Schmidhuber + Partner von der Durchführungsgesellschaft Koelnmesse International GmbH. Die Aufgaben reichten vom Architekturentwurf über die Projektkoordination bis hin zur Supervision der Ausführung vor Ort. Weitere Partner in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Pavillon sind Milla & Partner für Ausstellung und Medienplanung sowie die Firma Nüssli (Deutschland) für Projektmanagement und Bauleistung. Mit dem Projekt für die EXPO 2010 will die Bundesrepublik sich als vielseitige, ideenreiche Nation präsentieren, als ein innovatives und zukunftsorientiertes Land, das gleichzeitig auch großen Wert darauf legt, Wurzeln zu erhalten
und Traditionen zu bewahren. Wichtig für die Stadt von morgen sind Vielfalt und Gleichgewicht – nicht Gleichheit. Der deutsche Beitrag zum EXPO-Thema „Better City better Life“ lautet daher: „balancity“, eine Stadt in Balance zwischen Erneuerung und Bewahren, Innovation und Tradition, Urbanität und Natur, Gemeinschaft und Individuum, Arbeit und Freizeit, Globalisierung und nationaler Identität. Dieser Kerngedanke soll überall im Deutschen Pavillon zu finden sein, so lautete die Aufgabe auch für das Team von Schmidhuber + Partner.


BESUCHER DURCHWANDERN TYPISCHE STADTRÄUME
Der Pavillon steht auf einem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück und umfasst unterschiedliche Funktionen. Die Südseite beinhaltet die Infrastruktur mit Service- und Technikräumen. Die Nordseite stellt den repräsentativen Teil dar, der vom Besucher erlebt wird. Das Restaurant, der Eingang zur Ausstellung, der Souvenirshop und die Veranstaltungsfläche werden von der EXPO-Plaza im Nordosten betreten.

„Eine echte Herausforderung war die interdisziplinäre Abstimmung etwa mit Statikern oder Haustechnikern. Das hat mit den Austauschformaten von Allplan, vor allem mit DWG und PDF, sehr gut funktioniert. Selbst vor Ort in China.“
Lennart Wiechell, Geschäftsführer von Schmidhuber + Partner

Von der Struktur her gliedert sich der Pavillon in zwei Bestandteile. Eine begehbare Terrassenlandschaft mit Veranstaltungsfläche erstreckt sich vom Erdgeschoss bis zum dritten Obergeschoss. Der Baukörper mit seinen vier Ausstellungsabschnitten bildet das Dach, das die Besucher vor Sonne und Regen schützt. Diese vier Ausstellungsbereiche stehen für typische Stadträume: Arbeit und Denken, Freizeit und Erholung, Wohnen sowie Kultur und Gemeinschaft. Der Weg durch das Gebäude endet in der Energiezentrale. Von dort wird der Besucher über drei Treppenanlagen wieder nach unten auf den Veranstaltungsplatz geleitet.

REIBUNGSLOSES ARBEITEN MIT ALLPLAN
Die Software Allplan hat sich aus Sicht von Lennart Wiechell vor allem beim Informationsaustausch hervorragend bewährt. „Eine echte Herausforderung war die interdisziplinäre Abstimmung etwa mit Statikern oder Haustechnikern. Das hat mit den Austauschformaten von Allplan, vor allem mit DWG und PDF, sehr gut funktioniert. Selbst vor Ort in China “, erklärt der Münchner Architekt. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn es entstand eine wahre Datenflut, die ständig eingelesen und weiterverarbeitet werden musste. Was ebenfalls reibungslos lief, war die Schnittstelle zum Modellierwerkzeug Rhino. In diesem Programm wurde ein 3D-Modell erstellt, das den Stahlbau, die Haustechnik, den Innenausbau und die Membran vereint. Auch diese 3D-Daten mussten laufend wieder in die 2D-Pläne und damit in Allplan rücküberführt werden. Der zweite große Vorteil von Allplan betrifft das Arbeiten im Team. Lennart Wiechell: „Wir arbeiten seit zehn Jahren mit Allplan und das Programm stand immer wieder mal auf dem Prüfstand. Aber wir haben uns immer wieder für Allplan entschieden, denn die Möglichkeiten, im Team zu arbeiten, sind einfach unschlagbar“. In den Hochphasen des Projekts arbeiten zehn bis zwölf Mitarbeiter an den 2D-Plänen, und zwar parallel an verschiedenen Abschnitten. Der Allplan Workgroup Manager ermöglicht es, dass alle am gleichen Grundriss arbeiten können, ohne sich zu stören.

2D CONTRA 3D
Allplan wurde beim Deutschen Pavillon für die gesamte 2D-Planung eingesetzt. Für Grundrisse, Schnitte, Ansichten und Detailplanung – praktisch für alles, was in Planform abgeliefert werden muss. Auch die Kommunikation mit den Planungspartnern erfolgte auf der Basis von 2D-Plänen. „2D ist nach wie vor wichtig für die Entwicklung und Strukturierung eines Projekts. Allerdings hat 3D in den vergangenen Jahren einen Riesensprung gemacht, was die Entwurfs- und Fertigungsmöglichkeiten betrifft“, resümiert Lennardt Wiechell.
Zur EXPO 2010 in Shanghai konnten Besucher aus aller Welt den Deutschen Pavillon nach Lust und Laune erkunden und sich über das Leben in deutschen Städten informieren.

© 12.2010 Allplan GmbH, Munich, Germany; © Bilder: Deutscher Pavillon auf der EXPO 2010, China, Architektur Schmidhuber + Kaindl / Ausstellung Milla & Partner

Umbau des Microsoft Headquarters Wien, Österreich – Vertical Magic Garden

copyright by Vertical Magic Garden

Wussten Sie, dass das Raumklima bei einem Drittel aller modernen Bürogebäude in Europa nicht den Richtlinien für ein gesundes Innenraumklima entspricht? Und dass der krankheitsbedingte Arbeitsausfall dadurch viel höher ist als normal? In vielen Arbeitsräumen ist die Luft zu trocken und enthält Schadstoffe, die Gesundheitsbeschwerden verursachen können. Allein durch das Aufstellen luftreinigender Pflanzen können viele dieser Beschwerden deutlich gemindert werden. Pflanzen bereichern die Luft mit Wasserdampf, absorbieren Wärme und Geräusche, sie können schädliche Stoffe aufnehmen und abbauen. Menschen erleben einen Arbeitsplatz mit Pflanzen daher als angenehmer, was nachweislich zu einer Verringerung von Stress und Anzeichen des Sick-Building-Syndroms wie Kopfschmerzen und Ermüdung führt.

copyright by Vertical Magic Garden

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Dass ein gesundes Raumklima am Arbeitsplatz eine wichtige Voraussetzung für optimale Leistungen der Mitarbeiter ist, hat auch die Microsoft Österreich GmbH erkannt. Seit Jahren beschäftigt sich das Unternehmen mit der „Neuen Welt der Arbeit“ und führt entsprechende Studien zu diesem Thema durch. In diesem Zusammenhang hat Microsoft sein Headquarter in Wien komplett neu gestaltet und dazu auch die Firma Vertical Magic Garden für die Installation
vertikaler Gärten beauftragt. Werner Miesl von Vertical Magic Garden Deutschland: „Der vertikale Garten ist nicht nur Wohltat für das Auge, er wirkt sich auch auf die Gesundheit und das individuelle Wohlbefinden aus. Grüne Wände sorgen für eine optimale Luftbefeuchtung sowie reduzierten Staubflug. Nachweislich können bestimmte Pflanzen Schadstoffe we Formaldehyd, Phenol oder Benzol aus der Raumluft filtern und so die Schadstoffbelastung im
Raum deutlich absenken“. Das Konzept für die Neugestaltung der Firmenzentrale zielte insgesamt darauf ab, dass der Arbeitsplatz zum Treffpunkt und Kommunikationszentrum wird.
Ähnlich einem Computer basiert das räumlich funktionale und gestalterische Konzept auf vier wesentlichen Elementen: Erstens: der Data Highway (Datenleitung), er steht für die horizontale Erschließungszone. Zweitens der ICF (Interaction and Circulation Furniture), damit ist der offene Kommunikations- und Arbeitsbereich gemeint, der gleichzeitig die vertikale Verbindung der beiden Mitarbeiterstockwerke (Prozessor) bildet. Drittens die Meeting Rooms (Arbeitsspeicher),
unterschiedlich organisierte und gestaltete Besprechungsräume in verschiedenen Größen. Viertens der Open Workspace, das sind großzügig angelegte Arbeitsbereiche mit teilweise fix zugeordneten, jedoch größtenteils frei wählbaren Arbeitsplätzen und desksharing (Festplatte).

Zusätzlich zu den vier Hauptelementen kommt dem Foyer eine besondere Bedeutung zu, denn hier erhält man den ersten Eindruck von der „Neuen Welt der Arbeit“. Im Empfangsbereich wird die Leitidee durch schwimmende Lotusblüten in Szene gesetzt: Sie gelten als Symbol für Reinheit, Treue und Schaffensvermögen. Der blau gestreifte Vinylboden steht für den Datenfluss. Ein großer vertikaler Garten aus natürlichen Pflanzen bildet den Hintergrund. In Kombination mit einer LED-Wall hinter dem offenen Empfangspult wird so die Verbindung von Natur und Technik thematisiert.“

„Allplan Architektur ist bei uns u.a. deswegen im Einsatz, weil die Planung freier Formen – wie die gebogenen Pflanzenwände – mit dem 3D-Modellierer sehr einfach umzusetzen ist.”
Werner Miesl, Vertical Magic Garden Deutschland

Vertical Magic Garden wurde 2009 in Hartberg/Österreich von Johannes Leitner gegründet. Zum Produkt- und Leistungsspektrum des Unternehmens gehören vertikale Begrünungen in Modulform für Innen- und Außenbereiche, akustische und visuelle Raumteiler sowie begrünte Säulen und Wandbilder.

PROJEKTINFORMATIONEN IM ÜBERBLICK

Schwerpunkt: Innenarchitektur
Eingesetze Software: Allplan Architektur
Projektdaten:
Bauherr: Microsoft Österreich GmbH
Architektur: INNOCAD Architektur ZT GmbH, Graz
Baubeginn: Juli 2011
Fertigstellung:Oktober 2011
Nutzfläche: 4.500 m2
Baukosten: 2,8 Mio Euro netto

© 05.2015 Allplan GmbH, Munich, Germany; © Fotos: Michael Haug, Winterthur